Wie wird eine Immunthrombozytopenie (ITP) diagnostiziert?

Zur Diagnose einer ITP sind vor allem körperliche und Laboruntersuchungen notwendig, um einen Thrombozytenmangel festzustellen und gegebenenfalls dessen Ursache zu finden.

ITP ist eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, der Arzt stellt die Diagnose ITP erst dann, wenn alle anderen Erkrankungen als mögliche Ursache für eine starke Verringerung der Thrombozytenzahl (Thrombopenie) ausgeschlossen werden konnten.1

Andere Erkrankungen ausschließen

Um andere Erkrankungen ausschließen und den Verdacht auf eine ITP erhärten zu können, können bei Patienten mit ungeklärter Thrombopenie verschiedene Untersuchungen notwendig sein. Hierzu gehören z. B.:1

  • Anamnese: Befragung des Patienten nach aktuellen oder früheren Blutungsereignissen, Infektionen, Medikamenteneinnahme, Alkoholkonsum, Schwangerschaft, früheren Thrombosen bei sich oder in der Familie etc.
  • Körperliche Untersuchung: allgemein und z. B. auf Blutungszeichen, Lymphknotenveränderungen, Bestimmung der Leber- und Milzgröße
  • Blutuntersuchungen:
    • Blutausstrich: qualitative und quantitative Beurteilung der Blutzellen
    • Gerinnungstests: Überprüfen der Gerinnungsfähigkeit des Blutes
    • Blutgruppentestung: vor allem bei hohem Blutungsrisiko für den Notfall relevant
  • Knochenmarkpunktion: Untersuchung der Blutzellbildung im Knochenmark

Eine ITP sollte nur diagnostiziert werden, wenn die Thrombozytenzahl unter 100x109/l liegt (Normwerte liegen zwischen 150 und 300x109/l).1,2

Ist die Krankheitsgeschichte unauffällig und sind die übrigen Blutwerte normal, genügt ein Abfall der Thrombozytenzahl auf < 100x109/l für die Diagnose ITP. Eine Knochenmarkpunktion ist bei typischen Befunden zunächst nicht notwendig.1

Knochenmarkpunktion zur Diagnose der ITP

Eine Knochenmarkpunktion ist aufwändiger und für den Patienten weniger angenehm als reine Blutuntersuchungen. Bei eindeutigen Blutwerten ist sie nicht erforderlich. Erwogen werden sollte sie hingegen, wenn:

  • neben der Thrombozytenzahl auch andere Blutwerte, z. B. die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen verändert sind.
  • auffällige körperliche Untersuchungsbefunde vorliegen (z. B. vergrößerte Lymphknoten, vergrößerte Leber oder Milz).
  • der Patient älter als 60 Jahre ist.
  • eine Entfernung der Milz (Splenektomie) geplant ist.

Einschätzen der Blutungsneigung

Um das individuelle Risiko für Blutungen beurteilen zu können, orientiert sich der Arzt in erster Linie an der Schwere und Anzahl der sichtbaren Blutungszeichen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet fünf Schweregrade, die von „keine Blutungszeichen“ bis zu „Hirn-und Organblutungen“ reichen. Auf Grundlage dieser Einschätzung reicht das Behandlungsspektrum vom Zuwarten bis zur Notfallbehandlung über die Therapie mit Medikamenten oder eine therapeutische Entfernung der Milz (Splenektomie).1

Weiterführende Diagnostik nur bei chronischer ITP

Eine weiterführende Diagnostik ist nur sinnvoll, wenn bei persistierender oder chronischer ITP die eingeleitete Therapie keine ausreichende oder nur vorübergehende Wirkung zeigt. Dann können zusätzliche Laboruntersuchungen auf bestimmte Infektionskrankheiten, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen etc. notwendig sein. Unter Umständen zählt hierzu auch die Bestimmung von Thrombozyten-Antikörpern, um die Diagnose ITP zu sichern.

Autor: Michaela Spaeth-Dierl

Quellen:
[1] Onkopedia-Leitlinie Immunthrombozytopenie https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/immunthrombozytopenie-itp/@@view/html/index.html, zuletzt aufgerufen am 01.03.2018
[2] DocCheck Flexikon: Normalwerte Kleines Blutbild http://flexikon.doccheck.com/de/Normalwerte#Kleines_Blutbild (zuletzt besucht am 20.07.2017).

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