Wie kann man eine Immunthrombozytopenie (ITP) behandeln?

Für die Behandlung einer Immunthrombozytopenie (ITP) stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Ob eine Behandlung überhaupt erforderlich ist, hängt von der individuellen Blutungsneigung ab.

Ob eine ITP therapiebedürftig ist, muss immer im Einzelfall von Arzt und Patient entschieden werden. Während früher auch die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) ein wichtiger Aspekt bei dieser Entscheidung war, empfehlen die aktuellen Leitlinien eine Orientierung allein an der Blutungsneigung des Patienten.

Eine Therapie kommt

  • auf jeden Fall in Frage, wenn starke Blutungen auftreten.
  • eventuell in Frage, wenn mittelstarke Blutungen auftreten. 
  • eher nicht in Frage, wenn nur eine geringe oder keine Blutungsneigung besteht (Watch & Wait). Allerdings können z. B. ein erhöhtes Verletzungsrisiko oder zusätzlich bestehende Krankheiten auch in diesem Fall für eine Therapie sprechen.

Ziel einer Therapie ist es, die Thrombozytenzahl anzuheben und so das Risiko für Blutungen zu minimieren. Besondere Situationen, wie eine bevorstehende Operation oder Zahnarztbehandlung, können zusätzliche Maßnahmen erforderlich machen.

Therapieoptionen bei ITP

Bei therapiebedürftigen Patienten werden in der Regel als erstes sogenannte „Kortikosteroide“ verordnet. Die Substanzen sind mit dem körpereigenen Hormon „Kortison“ verwandt, das regulierend auf das Immunsystem wirkt. Kortikosteroide hemmen die Produktion von Autoantikörpern gegen Thrombozyten.

Wenn es zu schweren Blutungen kommt, werden zusätzliche Therapiemaßnahmen wie z. B. die Gabe von Immunglobulinen oder Thrombozytenkonzentraten erwogen.

Immunglobuline führen meist zu einem schnellen, aber kurzfristigen Thrombozytenanstieg für 2–4 Wochen. Sie werden deshalb z. B. bei akuten schweren Blutungen oder nicht aufschiebbaren Operationen eingesetzt. Bei schweren Blutungen kann auch mit Thrombozytenkonzentraten bei manchen Patienten ein kurzfristiger Anstieg der Thrombozytenzahl erreicht und die Blutung gestoppt werden. 

Weitere Therapiemöglichkeiten bei ITP

Nicht bei allen Patienten stellt sich der gewünschte Behandlungserfolg ein, oder es kommt nach einem anfänglichen Erfolg zu einem Rückfall. Zudem sollten Kortikosteroide wegen der z. T. erheblichen Nebenwirkungen in keinem Fall länger als zwei bis drei Monate gegeben werden. Dann kommen weitere Behandlungsmöglichkeiten in Frage: 

Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten sind Substanzen, die die Neubildung von Blutplättchen (Thrombozytopoese) im Knochenmark anregen können. Mit ihnen lässt sich bei ca. 80 % der Patienten, die auf vorherige Therapien nicht ausreichend angesprochen haben, ein Anstieg der Thrombozytenzahlen erreichen.

Durch eine Entfernung der Milz wird der Abbau von Thrombozyten vermindert.

Immunsuppressiva sind Medikamente, die normalerweise gegen Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen oder in der Krebstherapie eingesetzt werden. Sie können die Bildung von Autoantikörpern gegen Thrombozyten bremsen. 

Autor: Michaela Spaeth-Dierl

Quellen:
Leitlinie Immunthrombozytopenie (ITP) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/immunthrombozytopenie-itp/@@view/html/index.html (zuletzt besucht am 04.09.2017).

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