Gute Kommunikation mit dem Patienten fördert die Therapieadhärenz

Eine Behandlung kann nur dann wirken, wenn sich die Patienten an die Therapieanweisungen halten. Doch viele Patienten schaffen es nicht, ihre Therapie zuverlässig durchzuführen. Gute Kommunikation mit den Patienten kann dazu beitragen, die Therapieadhärenz der Patienten zu verbessern.

ITP-Patienten müssen vielfältige Anforderungen meistern

Eine ITP kann eine Vielzahl an Symptomen hervorrufen und das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Da beispielsweise Blutungen spontan auftreten, machen sich viele Patienten ständig Sorgen über das „ob und wann“ – dies kann zu Angstzuständen und sogar Depressionen führen. Auch die Anfälligkeit für Hämatome und deren Sichtbarkeit hinterlassen psychische Spuren: Es gibt ITP-Patienten, die aus Scham die Öffentlichkeit meiden. Außerdem kann starke Müdigkeit (Fatigue) sowohl im Beruf als auch in der Freizeit eine massive Einschränkung der Lebensqualität bedeuten.1
Wenn man sich die vielfältigen Probleme der Betroffenen vergegenwärtigt, so ist es verständlich, dass es für sie nicht immer einfach ist, die Therapieanweisungen einzuhalten bzw. die Medikamente regelmäßig einzunehmen.

Gute Kommunikation mit den Patienten unterstützt den Therapieerfolg

Viele Patienten nehmen Pflegekräfte – im Gegensatz zum Arzt – eher auf Augenhöhe wahr und haben deshalb weniger Scheu sich mit ihren Sorgen und Problemen an sie zu wenden. Somit ist es Pflegekräften im Rahmen der Kommunikation eher möglich eine „professionelle Nähe“ aufzubauen und die Bedürfnisse der Patienten zu erkennen. Das gilt auch in Bezug auf Probleme mit ärztlichen Therapieanweisungen und die Einnahme verordneter Medikamente. Eine gute Kommunikation zwischen Pflegepersonal und Patient kann dann auch dazu beitragen, die Therapieadhärenz des Patienten – und somit den Therapieerfolg – zu verbessern.

Therapieadhärenz:

Der Patient beachtet und befolgt die gemeinsam mit dem Arzt getroffenen Therapieentscheidung

Die Kennzeichen einer guten Beziehung und Kommunikation von Pflegepersonal und Patient sind bekannt: Respekt, Aufrichtigkeit, Empathie, aktives Zuhören, Vertrauen und Diskretion.

Warum haben manche Patienten eine geringe Therapieadhärenz?

Es kann sein, dass ein Patient die Therapie durchführen möchte, es aber einfach nicht schafft (nicht-intentionale Gründe). Es gibt aber auch Patienten, die sich bewusst gegen eine Therapie entscheiden und sie nicht durchführen (intentionale Gründe).

Beispiele für nicht-intentionale Gründe einer geringen Adhärenz sind:

  • Unabsichtliches Vergessen der Therapie (Tabletten, Spritzen, Arztbesuch)
  • Kosten der Therapie sind für den Patienten zu hoch
  • Medikament ist in der Apotheke nicht sofort verfügbar
  • Änderung der Lebensumstände

Intentionale Gründe für eine geringe Adhärenz im Hinblick auf die Therapie können subjektive Theorien über die Erkrankung oder die subjektive Einschätzung der Therapie sowie die Erwartungshaltung bzw. Befürchtungen gegenüber Nebenwirkungen sein.2,3

Empathie und aktives Zuhören sind zentrale Aspekte guter Kommunikation

Nur wenn der Patient alle Informationen zur Therapie wirklich verstanden hat, ist er in der Lage diese einzuhalten. Doch wenn er vor der Therapie Angst hat, oder ihn insgesamt negative Emotionen und Unsicherheiten belasten, fällt es ihm schwer, fachliche Informationen aufzunehmen. Erst wenn er sich ernst genommen und verstanden fühlt, kann er für Anweisungen und Ratschläge offen sein. Deshalb sollten im Gespräch mit Patienten immer Inhaltsebene (fachlich) und Beziehungsebene (emotional) unterschieden werden.

Die empathische Gesprächsführung signalisiert dem Patienten, dass seine Sorgen, Ängste und Bedenken wahr- und ernstgenommen werden. Zunächst ist es also sinnvoll seinen Anliegen emphatisch-emotional zu begegnen: mit aktivem Zuhören und dem Zurückspiegeln seiner Fragen auf emotionaler Ebene. Wenn er sich verstanden fühlt, kann er sich mit seinen negativen Emotionen und Unsicherheiten konstruktiv auseinandersetzen, sie dadurch verringern oder lösen. Erst im nächsten Schritt kann sich der Patient dann auf fachliche Information einlassen und diese aufnehmen.2,3

Praktische Hinweise zu einer empathischen Gesprächsführung

Wenn der Patient die Gründe seiner unregelmäßigen Medikamenteneinnahme nennt, ist es entscheidend, nicht unmittelbar Lösungen und Gegenargumente zu nennen (fachliche Antwort), wie:

  • Aber da gibt es Hilfen, wie beispielsweise ...
  • Ich erkläre Ihnen nochmals, wie wichtig die regelmäßige Einnahme ist …
  • Aber andere schaffen es doch auch …
  • Aber so schwer ist das doch nicht …

Besser ist es, die Argumente des Patienten zurück zu spiegeln (empathische Antwort), etwa:

  • Ich sehe, es ist schwierig für Sie, weil …
  • Habe ich das richtig verstanden? Sie ...
  • Gibt es noch andere Gründe, warum es Ihnen schwerfällt?

Nach der empathischen Antwort haben Ratschläge und Informationen in Form von Fragen eine bessere Chance, den Patienten zu erreichen und von ihm angenommen zu werden, beispielsweise:

Würde es Ihnen helfen, wenn wir uns überlegen:

  • Rituale gegen das Vergessen zu finden (z. B. Medikament immer zur gleichen Zeit)?
  • andere Dosierungen, Therapieschemata, „Pillendosen“ zu nutzen?
  • wie sie besser mit Nebenwirkungen umgehen können?
  • ob Sie telefonisch oder per SMS erinnert werden möchten?
  • gemeinsam mit Ihren Angehörigen über Lösungsmöglichkeiten zu sprechen?

Generell ist eine positive Motivierung wirksamer als eine negative. Also nicht argumentieren: „Wenn Sie das Medikament nicht regelmäßig einnehmen, wird die Krankheit fortschreiten …!“ Sondern: „Wenn Sie es schaffen, das Medikament regelmäßig einzunehmen, haben Sie eine wirklich gute Chance …“

 

Quellen:
[1] Mathias SD, Gao SK, Miller KL. Impact of chronic Immune Thrombocytopenic Purpura (ITP) on health-related quality of life: a conceptual model starting with the patient perspective. Health Qual Life Outcomes 2008; 6:13.
[2] Hausmann Clemens. Kommunikation in der Pflege. Grundlagen für die Praxis. Facultas Verlags- und Buchhandels AG. 2014.
[3] Seehausen M, Hänel P. Arzt-Patienten-Kommunikation: Adhärenz im Praxisalltageffektiv fördern, Dtsch Arztebl 2011; 108(43): A-2276 / B-1918. https://www.aerzteblatt.de/archiv/111070/Arzt-Patienten-Kommunikation-Adhaerenz-im-Praxisalltag-effektiv-foerdern (zuletzt besucht am 09.06.2017)

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